Lager fetten - wer kanns erklären?  

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stephan
(@stephand)
New Member

Hallo zusammen,

nachdem mich das Thema 3D Druck schon lange interessierte, habe ich mir irgendwann einen China Drucker bestellt (Ender 3 Pro). Die ersten Versuche waren auch vielversprechend, allerdings gab es ständig irgendwo Probleme (Rollen, Motoren, Bett uneben,..).

Daher habe ich mich dann entschlossen, einen MK3s zu bestellen (als Kit). Die Wartezeit ist ja recht lang und ich nutze die Zeit gerade, um zu schauen, was ich im Vorfeld noch bestellen werde (habe z.B. noch 2 IKEA Lack und will auf jeden Fall die Einhausung bauen).

Nun zu meiner eigentlichen Frage:

In diversen Foren findet man sehr unterschiedliche Meinungen, wie denn die Lager zu fetten sind. Daher würde mich sehr eine Erklärung von jemandem mit entsprechendem beruflichem Hintergrund interessieren.

Nach meinem jetzigen Stand würde ich folgendes machen:

  • Lager in IPA reinigen (mit kleiner Nylonbürste) um Transportöl und eventuelle Späne/Dreck zu entfernen
  • Ruhig die Nacht trocknen lassen
  • Mit einem 3D gedruckten Aufsatz für eine Fetttube das Fett so weit reinpressen, bis es leicht oben wieder rauskommt (also Lager voll machen)
  • Als Fett habe ich aktuell LM47

Was ich bisher so gefunden habe

  • Mit Wattestäbchen einen Fettklecks drin verteilen (Fusselt doch?)
  • 1/3 voll oder 1/2 voll (können dann nicht einzelne Kugeln heiss laufen?)
  • Es wurden diverseste Fettsorten empfohlen (sind ja keine hohen Belastungen, geht wahrscheinlich alles irgendwie?)

Kann da jemand was zu erklären?

Sie die Lager beim Kit schon gefettet?

 

Danke & Grüße

Stephan

Posted : 06/07/2020 8:57 am
Karl Herbert
(@karl-herbert)
Famed Member
Posted by: @stephand

Hallo zusammen,

nachdem mich das Thema 3D Druck schon lange interessierte, habe ich mir irgendwann einen China Drucker bestellt (Ender 3 Pro). Die ersten Versuche waren auch vielversprechend, allerdings gab es ständig irgendwo Probleme (Rollen, Motoren, Bett uneben,..).

Daher habe ich mich dann entschlossen, einen MK3s zu bestellen (als Kit). Die Wartezeit ist ja recht lang und ich nutze die Zeit gerade, um zu schauen, was ich im Vorfeld noch bestellen werde (habe z.B. noch 2 IKEA Lack und will auf jeden Fall die Einhausung bauen).

Nun zu meiner eigentlichen Frage:

In diversen Foren findet man sehr unterschiedliche Meinungen, wie denn die Lager zu fetten sind. Daher würde mich sehr eine Erklärung von jemandem mit entsprechendem beruflichem Hintergrund interessieren.

Nach meinem jetzigen Stand würde ich folgendes machen:

  • Lager in IPA reinigen (mit kleiner Nylonbürste) um Transportöl und eventuelle Späne/Dreck zu entfernen
  • Ruhig die Nacht trocknen lassen
  • Mit einem 3D gedruckten Aufsatz für eine Fetttube das Fett so weit reinpressen, bis es leicht oben wieder rauskommt (also Lager voll machen)
  • Als Fett habe ich aktuell LM47

Was ich bisher so gefunden habe

  • Mit Wattestäbchen einen Fettklecks drin verteilen (Fusselt doch?)
  • 1/3 voll oder 1/2 voll (können dann nicht einzelne Kugeln heiss laufen?)
  • Es wurden diverseste Fettsorten empfohlen (sind ja keine hohen Belastungen, geht wahrscheinlich alles irgendwie?)

Kann da jemand was zu erklären?

Sie die Lager beim Kit schon gefettet?

 

Danke & Grüße

Stephan

Hallo und willkommen im Prusaforum,

gute Frage, aber ich denke die müssten es wissen: https://www.skf.com/at/products/rolling-bearings/principles-of-rolling-bearing-selection/bearing-selection-process/lubrication/selecting-grease-or-oil

Zum Fett selber würde ich NLGI Klasse 2 wählen: https://www.skf.com/at/products/lubrication-management/lubricants/Understanding-technical-data-of-greases

Schöne Grüße,

Karl

Statt zu klagen, dass wir nicht alles haben, was wir wollen, sollten wir lieber dankbar sein, dass wir nicht alles bekommen, was wir verdienen....
Posted : 06/07/2020 12:02 pm
kai.r3
(@kai-r3)
Noble Member

@stephand

Hallo und willkommen im Forum,
das Thema Lager geistert hier natürlich auch schon eine Weile rum. Es gibt dabei, wie so oft, auch unterschiedliche Ansätze.
Vom vollständigen entfernen des werksseitig vorhandenen Korrosionsschutzes, bis hin zum kompletten zerlegen und reinigen von Lagern.
Ich persönlich reinige die Lager (auch die Misumis) weitestgehend mechanisch, also mit einem Tuch, und fette sie danach nach Gefühl und gesundem Menschenverstand. Eben grad so das Dir das Fett nicht die Lager "ausbremst", oder dir das Fett auf den Drucker tropft.
Die Wahl des Fettes ist dann natürlich die nächste Glaubensfrage.
Beim Schmierstoff rate ich persönlich zur Verwendung zu säurefreiem Fett.
Es gibt aber auch genug Leute die mit anderen Schmierstoffen und Versiegelungen arbeiten.
Das ist natürlich immer auch abhängig von der des Lagers. Die IGUS Gleitlager auf Z fette/schmiere ich auch nicht.
Gruß Kai

Posted : 06/07/2020 12:10 pm
info R-S
(@info-r-s)
Estimable Member

Moin, und den Lagern auch einen Hauch von Zeit zum "wieder" einlaufen gönnen.

Ich habe gerade bei Rad/ Kurbellagern im Radsport, viele beim ersten drehen der Kurbel oder Laufräder "nach dem fetten", den Kopf senken gesehen.

Aber nach 1-2h fahren dann doch das lachen entdeckt, weil dann das Fett sauber verteilt war und alles lief.

Gutes Gelingen

 

Posted : 06/07/2020 12:17 pm
stephan
(@stephand)
New Member

Vielen Dank für die Antworten.

Ich habe mir schon gedacht, dass es nicht DIE EINE Antwort gibt.

Hier noch ein paar Links, die selber heute gesammelt habe:

Erklärung zu Fetten und was die DIN 51502 Bezeichnung bedeutet:

http://www.wikidorf.de/reintechnisch/Inhalt/Schmierfette

Datenblatt LM 47

https://pim.liqui-moly.de/pidoc/P000371/3510-LM47LangzeitfettMoS2-20.0-de.pdf

SuperLube synthetic

https://www.super-lube.com/multi-purpose-synthetic-grease-with-syncolon-ptfe#product-434

Wenn ich das alles richtig verstanden habe, basiert LM 47 auf einem Mineralöl und ist damit unter Umständen nicht so gut für den Kontakt mit Plastik/Gummi geeignet? Das SuperLube hingen gibt extra an, dass es für den Kontakt mit vielen Kunststoffen/Gummis gut geeignet ist.

Posted : 06/07/2020 2:19 pm
Karl Herbert
(@karl-herbert)
Famed Member

@stephand

Ich verwende erfahrungsgemäß seit vielen Jahren dieses Universalfett für CNC-Fräse, Spindeln und diverse andere Anwendungen, unter Anderem auch für die Gleitlager des 3D-Druckers und bin damit immer gut ohne Lager- und Führungswellenschäden gefahren: https://produkte.liqui-moly.biz/lm-50-litho-ht-4.html . Beim Schmieren der Frässpindel Lager (Hybridlager) habe ich mich mengenmäßig an die Herstellerangaben gehalten. Bei 30000 U/min wirkt sowohl zuwenig, als auch zuviel Fett in den Lagern lebensverkürzend.

Ca. alle 300 Betriebsstunden fette ich die Führungswellen leicht nach. Zwischenzeitlich habe ich beim Drucker auch Öle und Beschichtungen getestet, was zwar auch gut funktioniert hat, aber seit ich Messing Gleitlager mit Schmiernuten verwende, bin ich wieder beim LM50. Die Gleitlager liefern sichtbar bessere Druckergebnisse und der Drucker läuft auch ruhiger. Alternativ werde ich auch noch Bronze Sinterlager testen. Da gibt es einige sehr positive Berichte dazu im Forum. Sehr wahrscheinlich werde ich bei Gleitlagern bleiben und keine Linear Kugellager mehr installieren (getestet habe ich Misumi und teure SKF). Führungswellen sind nach wie vor noch gehärtete (60HRC) und feingeschliffene h6 Wellen von Isel installiert. Die Gleitlager würden etwas mehr Spiel vertragen aber bislang läuft alles rund.

Statt zu klagen, dass wir nicht alles haben, was wir wollen, sollten wir lieber dankbar sein, dass wir nicht alles bekommen, was wir verdienen....
Posted : 08/07/2020 9:49 pm
stephan
(@stephand)
New Member

@karl-herbert

Vielen Dank für die Info.

Ich habe noch einen halbfertigen Sparkcube hier liegen (und die Alu Teile von ner CNC Fräse) - da werde ich mal ein paar Sachen ausprobieren. Ich hab auch mal ne Tube SuperLube bestellt.

Ich bin mal sehr gespannt auf den Prusa. Die meisten sind ja glaub ich sehr zufrieden auch wenns kein CoreXY ist.

Hast du mal einen Link, was für Messinglager du verwendet hast?

Posted : 09/07/2020 8:54 pm
Karl Herbert
(@karl-herbert)
Famed Member

@stephand

Diese sind leider in den passenden Prusa Dimensionen nicht so leicht aufzutreiben, habe aber zu einem vernünftigen Preis brauchbare Gleitlager mit Festschmierung hier gekauft: https://de.aliexpress.com/item/32823893175.html?spm=a2g0s.9042311.0.0.2bee4c4dpIoZbo

Ich habe zusätzlich 2 Schmiernuten am Umfang angebracht (vorne und hinten) und diese mit Fett gefüllt. Die Graphiteinlagen dienen sozusagen als Notschmierung. Bislang läuft Alles seit einigen Wochen ruhig und sauber. Wie gesagt, gelegentlich, ca. alle 300 Stunden, schmiere ich nach. Da der Prusainterne firmwaregesteuerte Zeitzähler nicht das gelbe vom Ei ist und auch bei einem factoryreset zurückgesetzt wird, habe ich einen elektronischen externen Zeitzähler installiert, welcher zwar nicht die Druckzeit sondern die Einschaltzeit des Druckers erfasst. Meistens drucke ich aber unmittelbar nach dem Einschalten. Ein ungefährer Anhaltspunkt eben zum Einhalten der Nachfett Intervalle. Ich denke, dass ich einer unter 10000 bin der das so bewerkstelligt, aber so mache ich es auch bei meinen Fräsen seit vielen, vielen Jahren. Bei den Fräsen setze ich allerdings Präzisions Linearlager ein. Da macht die Spindel bei 25000 U7min im Einsatz mehr Krach als alles andere.

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Posted : 09/07/2020 9:50 pm
Tom the Tomstar
(@tomstar)
Reputable Member

Ich will hier noch was einwerfen, die Lagerkugeln laufen in einem "Kreislauf". Ich trage immer eine Fettraupe auf die Kugelbahn auf, verteile es mit einem Stück Filament und schiebe die Kugeln dann weiter bis die trockenen kommen. Und so weiter und so fort, bis alle Kugel gleichmässig gefettet sind.

Ich glaube dieses kleine Detail wird öfters übersehen.

Posted : 06/08/2020 12:30 am
Karl Herbert
(@karl-herbert)
Famed Member

@tomstar

Mach ich auch immer so. Die Menge an Fett ist völlig ausreichend. Auf jeden Fall besser als mit Hochdruck Fett in die Kugelkammern zu pressen. Zum Nachfetten ist es ausreichend wenn man gelegentlich die Führungswellen gleichmässig mit Fett bestreicht. Hab ich beim Mini grad auch so gemacht. Natürlich auf Misumis umgerüstet.

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Posted : 06/08/2020 7:36 pm
Tom the Tomstar
(@tomstar)
Reputable Member

@karl-herbert

Ah, hast du schon einen Mini in deinem "Labor"? Ich find die sehr schick vom Format.

Fürs nachschmieren nehm ich gerne gewöhnliches "Nähmaschineneöl", zieh eine dünne Spor über die Führungsstange und verteil das mit sauberen Fingern. Aber da hat jeder seine eigenes Ritual. Hauptsache die Lager laufen nicht trocken und das Fett ist nicht zu fest.

 

Posted : 06/08/2020 8:18 pm
Karl Herbert
(@karl-herbert)
Famed Member

@tomstar

Ja, da wollte jemand seinen Mini aufgrund eines Defekts in die Tonne werfen. Das habe ich natürlich verhindert. Ich habe ihn defekt zum halben Neupreis erworben - Lieferzeit 3 Tage - einige Kleinigkeiten ausgetauscht, inzwischen läuft er einwandfrei. Ich bin überrascht wie leise er druckt und wie sauber die Druckergebnisse sind. Ich denke beim Linearlagerwechsel werde ich es belassen. Vielleicht drucke ich das eine oder andere Teil neu, da die Prusa Druckteile optisch kein Hingucker sind.

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Posted : 06/08/2020 9:08 pm
stephan
(@stephand)
New Member

Danke für die Tipps. Muss man wohl im Laufe der Zeit ein Gefühl für entwickeln, wie die Lager am besten zu fetten sind.

Wenn die neu geschmiert werden müssen werden sie lauter?

 

Habe mein MK3s Kit jetzt endlich bekommen. Leider ist beim Reinziehen der 2. Mutter im x-carriage das Loch durchgedreht. Die Schraube geht jetzt weder rein noch raus. Muss ich auf das Ersatzteil warten..

Posted : 07/08/2020 9:18 am
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