Bridging in Schleifen und schiefe Wand  

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hoeni
(@hoeni)
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Sorry, wenn das etwas lang geworden ist, ich fürchte kürzer bekomme ich es nicht erklärt 🙂

Nachdem meine Kinder den Glaskrug-an-Ikea-Bett-Halter, den ich mir vor einem Jahr auf dem Anycubic (mit Simplify 3D) problemlos in PLA gedruckt hatte, beim Toben zertrümmert haben, wollte ich mir einen neuen mit dem MK3/S+ und PETG drucken (Prusament).

Beim Ergebnis war ich etwas enttäuscht, denn es gab 2 große Probleme:

  • Beim Zusammenschluss des oberen Balkens hatte sich der kleine Teil offensichtlich soweit geneigt, dass die Brücke oben sicherlich 2-3mm zu weit über den Rand hinaus ging. Da die Außenlayer also nicht richtig zusammengeklebt waren, brach das auch sofort ab. (Ich hatte das Objekt zum Druck schon so gedreht, dass die einzelne Wand in Y-Richtung stand und nicht immer hin und hergewackelt wird)
  • Die Supports unter der Brücke (von der Platte aus) waren die völlige Katastrophe und liessen sich überhaupt nicht von der Brücke ablösen (die Serpentinen auf der Druckplatte klebten auch seitlich am Körper, aber das liess sich halbwegs beheben). Vielleicht bin ich da auch einfach zu verwöhnt von den Supports in S3D.

Also habe ich mir überlegt, wie ich diese Probleme löse:

  • Für das erste Problem, habe ich in Fusion eine kleine Stützrampe eingebaut (0,6mm dick, 0,2mm Distanz zum Objekt) um das ganze abzustützen und gerade zu halten bis die Brücke geschlossen wird.
  • Für das zweite Problem wollte ich sehen, ob ich das auch ohne Support hinbekomme, auf die Distanz zu bridgen und habe mir ein kleines Testobjekt herausgeschnitten und gedruckt, wo das problemlos ging. Nicht richtig schön, aber doch gut genug für die unsichtbare Unterseite:

 

Nebenbei hatte ich noch die Mesh Modifier entdeckt und mit einem kleinen Würfel oben an der belasteten Kante den Infill für mehr Stabilität hochgesetzt. (Normalerweise mache ich immer ja nur einen Change auf einmal, ab das ist so ein materialintensiver Druck, da will ich nicht zu viel teures Prusament unnötig verdrucken 🙂 ):

Als ich diesen Druck dann fertig hatte, hat mich fast der Schlag getroffen: Die Wand war zwar ein bisschen gerader als vorher, aber immer noch sicher um einen halben bis einen mm daneben. Aber vor allem wurde die Unterseite nicht gebridged, sondern in Schleifen gelegt, sowas hatte ich in 2 Jahren drucken noch nie gesehen 🤣:

Mittlerweile habe ich gelesen, dass man den Supports im PrusaSlicer mit den richtigen Einstellungen wohl einigermaßen auf die Sprünge helfen kann ( https://forum.prusaprinters.org/forum/prusaslicer/prusaslicer-hard-to-remove-supports/), habs aber noch nicht ausprobiert.

Bei den Schleifen hatte ich die Mesh Modifier im Verdacht, also habe ich das mal angesehen und siehe da, er hat nur bis zur Grenze der Meshes gebridged:

So jetzt komme ich endlich zu meinen Fragen:

1. Habt Ihr noch Ideen wie ich das mit der schiefen Wand in den Griff bekommen kann?

2. Würdet ihr sagen, dass mit dem Bridging und den Mesh Modifiern ist ein Bug oder "works as intended"

3. Denkt ihr, das wäre eine gute Idee, trotzdem die Ecke mit den Modifiern zu verstärken und dabei dann einfach z.B. das gesamte Oberstück (inkl. der vollständigen Bridge) zu markieren?

Vielen Dank für Eure Ideen!

 

Tobi

(MK3/S+ / Raspi4 Octopi / Anycubic Mega S)
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Posted : 03/03/2021 8:44 pm
JustMe3D
(@justme3d)
Estimable Member

Ich mach´s kurz: Ich wäre nie auf die Idee gekommen, eine derart große Brücke ohne volle Stützen zu drucken. So oder so ist die Druckrichtung quer über den Spalt total suboptimal, weil der Anschluß an das schmale Teil m.E. viel zu dünn für den geplanten Zweck ist.

Ich würde das Ding horizontal schneiden im Slicer, in der Verlängerung der Henkelbrücke  über das gesamte Teil hinweg. Das oben abgeschnittene Teil (U-förmige Öffnung mit Henkel) auf dem Kopf in ASA drucken; dann würde ich die beiden Flächen verkleben und ggf. mit einem Hauch Aceton glätten.

 

I try to give answers to the best of my ability, but I am not a 3D printing pro by any means, and anything you do you do at your own risk....
Posted : 03/03/2021 9:08 pm
JustMe3D
(@justme3d)
Estimable Member
Posted by: @justme3d

Ich würde das Ding horizontal schneiden im CAD-PROGRAMM

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Posted : 03/03/2021 9:30 pm
Manfred
(@manfred)
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... und ich würde das Teil einfach umdrehen und am aktuellen Bodenring und an der vorderen Öffnung einen Support hinzufügen. Statt den Rundungen würde ich Phasen verwenden, dann könnte es ein schöner Druck werden.

Man kann Dir den Weg weisen, aber gehen musst du ihn selbst - happy Printing :-)...
Posted : 03/03/2021 9:39 pm
karl-herbert
(@karl-herbert)
Illustrious Member

Manchmal macht es Sinn die Konstruktion zu zerlegen und die gedruckten Einzelteile dann mittels Klebung, Verstiftung, Verschraubung, Verschweißung oder Ähnliches zu verbinden. Kleber gibt es dazu schon recht gute, auch zum Verkleben von PETG. ABS lässt sich z.B. gut mit einem Lösungsmittel wie z.B. Aceton verkleben. Auch Materialien wie POM lassen sich heute kleben. Zur Stabilisierung der Klebestelle könnte man Zinken (gerade, Schwalbenschwanzförmig) anbringen.

 
This post was modified 1 month ago by karl-herbert
Statt zu klagen, dass wir nicht alles haben, was wir wollen, sollten wir lieber dankbar sein, dass wir nicht alles bekommen, was wir verdienen....
Posted : 03/03/2021 10:08 pm
hoeni
(@hoeni)
Active Member

Danke! Ich sehe schon, das geht hier klar in Richtung zweiteilig drucken und kleben...
Irgendwie ärgere ich mich nur, dass mein erster Druck auf einem (damals noch) schlecht eingestellten China Drucker mit Billig-Filament auf Anhieb richtig gut geworden war und ich das jetzt nicht mehr reproduziert bekomme.

 

Posted by: @justme3d

Ich wäre nie auf die Idee gekommen, eine derart große Brücke ohne volle Stützen zu drucken.

Ich ja auch nicht, dann bin ich zufällig über das hier gestolpert bin:
Daraufhin hatte ich mir mal das Teststück gedruckt und ich war verblüfft, wie brauchbar (für diesen Zweck!) das eigentlich geworden war (siehe Foto), denn ich hätte nicht damit gerechnet, dass es überhaupt geht...

 

Posted by: @manfred

... und ich würde das Teil einfach umdrehen und am aktuellen Bodenring und an der vorderen Öffnung einen Support hinzufügen. Statt den Rundungen würde ich Phasen verwenden, dann könnte es ein schöner Druck werden.

Das ist ne super Idee, vor allem innen sieht man innen die Reste von den Supports eh nicht. Vielleicht gleich mal noch zusammen mit den anderen Supporteinstellungen probieren...

 

(MK3/S+ / Raspi4 Octopi / Anycubic Mega S)
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Posted : 04/03/2021 7:27 am
Manfred
(@manfred)
Reputable Member

@hoeni

bei längeren Brücken muss alles passen (Material, Druckgeschwindigkeit, Brückenflussverhältnis, Drucktemperatur, Lüfterdrehzahl, usw.). Sehr oft spielt man sich Stunden mit den Einstellungen, bis ein halbwegs gutes Resultat rauskommt, was einen dann allerdings auch nicht reicht. Schneiden und kleben ist meistens die bessere Variante, wenn man das Teil nicht günstiger drehen kann.

Auch bei kleinen Brücken hat man die Qual der Wahl wie man es druckt, mit vollen Support oder nur mit Support zur Anbindung der Brücke. Wie wähle ich den Z-Abstand, welches Muster des Supports verwende ich, das mir dieses in einer Höhe von 10cm wegbricht, uvm.

Vieles ist einfach nur Erfahrung, wie man mit diversen Materialien bei diversen Modellen umgeht. Das Material sparen habe ich mir großteils abgewöhnt, weil ein Druck am Ende doch nicht geklappt hat und ich nochmals von vorne beginnen muss. Qualität und Sicherheit beim Drucken ist mir wichtiger als 50g Material für eine vernünftige Stütze.

Wenn man selber konstruiert, hat man den Vorteil hierbei schon auf eine saubere Druckbarkeit zu achten, wobei man eigentlich das meiste Material einsparen kann 😉 Manche Modelle zu teilen separat zu drucken und diese im Anschluss zu verschrauben, einzuklipsen oder was auch immer sieht meistens gut aus, spart Material und man bekommt keine Kopfschmerzen beim Denken "wie drucke ich das Ding".

Dein Modell würde ich mit 3 x M3 Gewindeeinsätze und 3 Stk. M3x10 Schrauben konstruieren, dabei den Haltebügel verschrauben. Wenn, dann bricht meistens dieser ab, wenn die Kinder daran rum reißen. Dann schraube ich diesen ab und drucke mit wenig Material einen neuen.

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Posted : 04/03/2021 10:51 am
JustMe3D
(@justme3d)
Estimable Member

Gewindeeinsätze.... Du meinst die Dinger, die man erst kauft, weil man sie eigentlich nicht braucht, aber sie trotzdem vorsorglich haben will, und die man nach drei Wochen nachbestellt, weil man die ersten 50 Stück verbraucht hat? 😀 

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Posted : 04/03/2021 11:20 am
Manfred
(@manfred)
Reputable Member
Posted by: @justme3d

Gewindeeinsätze.... Du meinst die Dinger, die man erst kauft, weil man sie eigentlich nicht braucht, aber sie trotzdem vorsorglich haben will, und die man nach drei Wochen nachbestellt, weil man die ersten 50 Stück verbraucht hat? 😀 

Soetwas meinte ich. Ich selber benötige diese sehr oft für meine Reglerboxen.

Man kann Dir den Weg weisen, aber gehen musst du ihn selbst - happy Printing :-)...
Posted : 04/03/2021 11:59 am
hoeni
(@hoeni)
Active Member
Posted by: @justme3d

Gewindeeinsätze.... Du meinst die Dinger, die man erst kauft, weil man sie eigentlich nicht braucht, aber sie trotzdem vorsorglich haben will, und die man nach drei Wochen nachbestellt, weil man die ersten 50 Stück verbraucht hat? 😀 

Da habe ich mir vor nem halben Jahr ne Box gekauft, weil ich die bestimmt mal brauche und seitdem nie gebraucht...  🤣🤣🤣

(MK3/S+ / Raspi4 Octopi / Anycubic Mega S)
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Posted : 04/03/2021 12:37 pm
karl-herbert
(@karl-herbert)
Illustrious Member

@hoeni

Also ich verwende die Messing Gewindeeinsätze recht häufig für Konstruktionsteile, welche zum Zwecke der Wartung öfters zerlegt werden und auch sonst, da die Verbindung wesentlich stabiler ist als ein Gewinde im Kunststoff. Beim Lösen einer Schraube im Kunststoffgewinde reibt es bei jedem Lösen oder Festziehen einer Stahlraube etwas von den Gewindegängen ab, bis ein sicherer Halt nicht mehr gewährleistet ist. Das kennen wir ja aus allen Bereichen der Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik usw... Heutzutage ist ja fast alles aus Kunststoff gefertigt.

Alternativ kann man natürlich auch die gängigen 4-Kant oder 6-Kant Muttern verwenden. Häufigste Größe ist M3 bis M6. Zur Not tut es auch einmal ein Helicoil Einsatz.

 
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Posted : 04/03/2021 4:18 pm
Kai
 Kai
(@kai-2)
Noble Member

@hoeni

Die Gewindeeinsätze sind ein Geschenk Gottes.
Und für die Atheisten: Geiles Zeug!
Ich habe allein diese Woche wieder 20 Stück verbaut.
Ich trauere schon wenn ich zu dem Tag komme an denen meine "Hitsert 2" alle sind.
Die sind leider nicht so ohne weiteres in Hobbyverträglichen Gebinden zu bekommen.

Posted : 04/03/2021 8:59 pm
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