Erfolgreiches Drucken von ABS mit dem Prusa Mini
 
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Erfolgreiches Drucken von ABS mit dem Prusa Mini  

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Eric Eichstaedt
(@eric-eichstaedt)
Eminent Member
Erfolgreiches Drucken von ABS mit dem Prusa Mini

Hey,

ich habe schon oftmals gehört, dass der Prusa Mini nicht in der Lage sein soll ABS / ASA und dergleichen zu drucken. Vor kurzem habe ich mich in die "Voron" Drucker verliebt und bin momentan dabei mir sämtliche Komponenten für diesen zu kaufen. Ein Großteil der Komponenten wird 3D-gedruckt und erfordert ABS. Zum einen aufgrund des abgeschlossenen Bauraums (es sind Temperaturen über 60° zu erwarten, Halterungen von Steppern sehen noch höhere Temperaturen) und zum anderen, da sämtliche Komponenten so konstruiert sind, dass das "Shrinking" von ABS berücksichtigt wird. 

Ich habe in den letzten Wochen viel Erfahrung mit ABS gesammelt und würde diese gerne mit euch teilen, dass auch ihr positive Ergebnisse erzielen könnt, da die ein oder andere Anwendung die hohe Temperaturbeständigkeit benötigen könnte. 

 

 

Tipp 1:

Nutzt hochwertiges Filament, welches sich bereits auf dem Markt bewährt hat. Meine Wahl fiel auf eSun ABS+. Es verhält sich mechanisch und thermisch relativ ähnlich zu ABS, lässt sich aufgrund von Additiven jedoch besser drucken. Speziell das schwarze Filament gefällt mir sehr gut.

 

 

Tipp 2:

Ein Gehäuse ist meiner Meinung nach Pflicht. Die Vorteile der erhöhten Bauraumtemperatur sorgen dafür, dass die Parts weniger warpen. Ebenfalls werden die mechanischen Eigenschaften verbessert, im Speziellen die Layerhaftung. Ein großes Problem beim Drucken von  ABS/ASA ist außerdem Zugluft. Allein das Öffnen der Tür des Raumes, in dem sich der Drucker befindet, kann bereits ausreichen, dass das Part anfängt zu warpen oder es zur Delaminierung der Layer kommt. Ich weiß nicht, ob man das hier posten darf, aber ich habe mich für folgendes Gehäuse entschieden und bin mit diesem völlig zufrieden: 
https://www.ebay.de/itm/403182298629?hash=item5ddf89a605:g:zdMAAOSwJZ1g~COY

 

Tipp 3:

Nehmt das Textured PEI Sheet und seid beim Leveling ruhig sehr großzügig. Ich persönlich stelle den Z-Offset so ein, dass die Nozzle so tief ist, dass auf dem First Layer der Komponente nicht eine einzige Linie mehr zu erkennen ist. Ebenfalls der Übergang von den Wänden zum Solid Infill ist bei mir eine homogene Verteilung. Das hat den Vorteil der erhöhten Haftung und zusätzlich sieht es einfach geil aus.

 

 

Tipp 4:

Kalibriert eure E-Steps neu, da der Verzug von ABS deutlich stärker ist als der von PLA. Nur so könnt ihre eine gute Maßhaltigkeit der Komponenten gewährleisten. 

 

 

Sämtliche Schritte, die ich bisher aufgezählt habe, sind meiner Meinung nach Grundlage für ein erfolgreiches Drucken mit ABS. Erst nachdem die Punkte eingehalten wurden, kann man sich Gedanken über die Slicer-Einstellungen machen. Die besten Slicer-Settings gleichen ein beschissenes Filament/Z-Offset nicht aus.

 

 

Tipp 5:

Bei der Temperatur vom Heizbett gibt es meiner Meinung nach keine zwei Meinungen. So heiß wie möglich, um möglichst viele Layer auf einer hohen Temperatur zu halten, sodass Warping minimiert wird. Es hat ebenfalls den Vorteil, dass das Gehäuse eine höhere Temperatur erzeugt. Dementsprechend Heizbetttemperatur --> 100°C.

 

Tipp 6:

Bei der Hotend-Temperatur lässt es sich streiten. Hohe Temperaturen sorgen typischerweise für eine bessere Layerhaftung und somit für bessere mechanische Eigenschaften. Aus diesem Grund habe ich das Material auf 260°C gedruckt und nicht ein einziges Mal Probleme mit Delaminierung erlebt. 
Desto wärmer das Material jedoch beim Extrudieren ist, desto stärker kann es sich abkühlen und somit zu Warping führen. Bei diesem Punkt muss man selber Erfahrungen sammeln und das Optimum aus Warping und mechanischer Festigkeit ermitteln. (Ich hatte kein Problem mit Warping)

 

Tipp 7:

Die Lüftergeschwindigkeit sollte in jedem Fall so gering wie möglich sein! Sowohl die Maßhaltigkeit, das Warping als auch die mechanische Stabilität werden negativ von einer hohen Lüfterdrehzahl beeinflusst. Lediglich bei Komponenten mit starken Überhängen habe ich den Lüfter bei maximal 35 % laufen lassen. 

 

Solltet ihr die Tipps einhalten, so seid ihr in der Lage ABS reproduzierbar und maßhaltig zu drucken. Sämtliche Komponenten konnte ich mit 4 Walls, 5 Solid Top und Bottom Layers sowie 40% Infill erfolgreich drucken. 

 

Eric

 

Electrical EngineerWorking on master’s degree in electrical engineering...
Posted : 22/09/2021 3:41 pm
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