Erfahrungen mit dem SL1  

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Karl Herbert
(@karl-herbert)
Famed Member

Hallo Leute,

na, dann bin ich so frei und werfe gleich einige Fragen in die seit kurzem eröffnete SL1 Rubrik. Im englischsprachigen Forum exisitert diese ja schon länger. Ich selber arbeite schon längere Zeit mit einem Prusa i3 Drucker, habe mir aber schon Gedanken zum Kauf eines SL1 gemacht. Der SL1, auch "Suppenkocher" soll relativ geruchsintensiv und pflegebedürftig sein, deshalb:

Welche Erfahrungen hast du in Bezug auf Geruchsbelastung und Reinigung bzw. Kostenaufwand an notwendigen Reinigungstools gemacht?

Gibt es besondere Stärken und Schwächen (Druckqualität, Fertigungsqualität, Kosten, Zuverlässigkeit...) ?

Welche Teile druckst du mit welchen verfügbaren Materialien?

Na fürs erste genug Fragen....

Danke für Eure Meinungen und Antworten!

Schöne Grüße,

Karl

 

Statt zu klagen, dass wir nicht alles haben, was wir wollen, sollten wir lieber dankbar sein, dass wir nicht alles bekommen, was wir verdienen....
Posted : 13/06/2020 12:56 am
Lichtjaeger
(@lichtjaeger)
Prominent Member

Ich hatte den Drucker + CW1 damals vorbestellt und daher schon etwas länger im Gebrauch.

Der Geruch (und dessen Intensität) unterscheidet sich zwischen den Resinmarken. Es gibt da auch einige "Geruchsarme". Die Geruchswarnehmung und auch die Reizbarkeit durch das flüssige Resin scheinen von Person zu Person unterschiedlich zu sein. Mich persönlich stört der Geruch nicht wirklich.

Eine Nachbearbeitungsstation (egal ob CW1 oder Anycubic) kann ich nur empfehlen. Das macht die Sache um einiges einfacher. Der Materialbedarf zum Reinigen begrenzt sich auf Küchen-/Werkstattpapier und Reinigungsmittel (Spülwasser, IPA oder ResinAway). Zusätzlich habe ich noch eine größere flache Klarsichtbox um die Tücher, Support und andere Reste in der Sonne aushärten zu lassen und eine 405µm Taschenlampe (Schutzbrille nicht vergessen), falls keine Sonne scheint. Gehärtetes Resin kann im Haushaltsmüll entsorgt werden, flüssiges nicht. Das größte Problem ist die Entsorgung des verbrauchten Reinigungsmittels. Das muss gesammelt und bei den Sondermüllstellen abgegeben werden (selbst Wasser und ja, auch bei water-washable Resins). Ich verwende zum Sammeln und Lagern leere Weichspülerflaschen. Da die klar und farblos sind, Kann sich so noch etwas vom Resin härten und als Schwimmteilchen absetzen.

An Reinigungsmittel habe ich bisher getestet:

  • IPA
  • 3DJake Resin Cleaner (Taugt überhaupt nichts)
  • Monocure ResinAway (Das beste Zeug, aber sehr teuer)

Das IPA hat im CW1 natürlich die geringste Trocknungszeit, aber das ResinAway ist gründlicher, schonender und langlebiger.

Die Qualität des SL1 ist dem Preis entsprechend. Ein Elegoo, Anycubic oder Peopoly kann da nicht mithalten (ausgehend von den Datenblättern und Reviews die ich gesehen habe). Die Pixelauflösung das SL1 liegt bei 0.047mm mit Antialiasing zur zusätzlichen Kantenglättung. Bei einer Layerhöhe von 0.035mm kann ich dann mit blosem Auge auch keine Layer/Voxel mehr erkennen. Die Tilt-Platform, die die Teile vom FEP abzieht und das Resin während des Druckes nachrührt, ist noch einzigartig. Ein Nachteil ist allerdings die Druckplatform. Im Gegensatz zu den Konkurenzdruckern ist diese oben nicht angeschrägt, so dass das Resin nicht abfließt.

An der Firmware hat sich auch so einiges getan. Die Kalibrierung wird mit einem Guide durchgeführt. Wenn das gründlich gemacht wurde, ist der Drucker auch extrem zuverlässig. Zudem ein Programm zum ermitteln der Belichtungswerte für andere Resinmarken und die Netzwerkmonitorsoftware wird auch permanent ausgebaut.

Der Drucker kommt bei mir vorwiegend für dekorative Teile zum Einsatz. Ich habe keinen großen Bedarf für Feinmechanische Teile und ansonsten ja noch den i3 und den Mini zur Verfügung. An Resins verwende ich Anycubic ECO (angeblich nachhaltig und biologisch abbaubar), PrimaValue (beste Farbauswahl (das einzige richtige Schwarz das ich kenne) und mit der Tough und Flex Reihe auch mechanisch zu gebrauchen), Monocure3D (ideal um sich das Resin so zu mischen, wie man es gerne hätte (Farbe und Härtegrad)) und Prusa (war halt dabei).

Noch ein Tipp zur Resinauswahl: Die Shorehärte sollte unter 84D liegen (besser 80D). Alles darüber ist meiner Meinung nach einfach zu brüchig. Das Disqualifiziert die meisten Billigmarken.

Posted : 13/06/2020 8:53 am
Lichtjaeger
(@lichtjaeger)
Prominent Member

Hier noch ein aktuelles Video vom Thomas Sanladerer:

Und hier eines zum Wiederaufbereiten des Reinigungsmittels:

Posted : 13/06/2020 8:59 am
Karl Herbert
(@karl-herbert)
Famed Member

@lichtjaeger

Danke für den ausführlichen Bericht. Ich werde die Sache weiterverfolgen und zu gegebener Zeit mir evtl. den Luxus zum Druck einiger Sonderteile leisten. Im Hobbybetrieb hat die Kosten/Nutzen Rechnung ohnehin nur einen geringen Stellenwert. Was etwas abschreckt, ist das ganze notwendige Equipment drumherum, da das ja auch Platz benötigt, welcher in meiner Werkstatt inzwischen sehr bescheiden ausfällt.

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Posted : 13/06/2020 12:12 pm
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